28. Februar 2026
Grundfutter verstehen – Qualität vor Tradition
🌾 „Nur weil’s da Erste is, is ned automatisch da Beste.“
Lange Zeit wurde uns in der Pferdefütterung propagiert:
Unbedingt nur späten ersten Schnitt füttern. Am besten ausschließlich. Doch schauen wir uns das einmal genauer an.
Ein später erster Schnitt bedeutet: weit nach der Blüte geerntet.
Was heißt das für das Heu?
- Sehr viel Rohfaser.
- Dicke, harte Stängel.
- Eine lange notwendige Trockenzeit am Feld.
Viele dieser groben Halme beginnen bereits vor der Ernte zu verpilzen oder verlieren an Qualität. Lange Liegezeiten erhöhen zusätzlich das Risiko von Verregnung oder
hygienischen Problemen.
Das Ergebnis ist nicht automatisch hochwertiges Grundfutter — auch wenn es „1. Schnitt“ heißt.
Auch in Analysen zeigt sich immer wieder: Ein später erster Schnitt kann durchaus höhere Gesamtzuckerwerte aufweisen, was gerade für stoffwechselempfindliche Pferde
problematisch sein kann.
🌿 Und dann gibt es da noch den zweiten Schnitt – das sogenannte Grummet.
Bei vielen Pferdebesitzer:innen immer noch verschrien als „Kuhfutter“. Dabei lohnt sich ein genauer Blick.
Der zweite Schnitt wächst deutlich kürzer nach. Dadurch ist er meist feiner strukturiert und trocknet am Feld schneller ab. Kürzere Trockenzeiten bedeuten häufig weniger
Probleme bei der Ernte und können zu hygienisch sauberem Grundfutter beitragen.
Einige Analysen zeigen zudem:
• teilweise niedrigere Zuckerwerte
• gleichzeitig höhere Mineralstoffgehalte
Natürlich bringt der zweite Schnitt auch mehr Protein mit sich — und genau hier liegt der entscheidende Punkt.
🐴 Der zweite Schnitt ist auf keinen Fall grundsätzlich schlecht. Qualität ist immer der erste entscheidende Faktor. Und danach kommt das Pferd.
Ältere oder sehr dünne Pferde können enorm profitieren.
Auch Pferde mit erhöhtem Proteinbedarf oder eingeschränkter Kauleistung nehmen feineres Heu oft besser auf.
Der zweite Schnitt ist meist leichter zu kauen und kann besser verwertet werden. Gerade im Winter empfehle ich häufig, auch zweiten Schnitt einzusetzen. Viele Pferde
benötigen in der kalten Jahreszeit schlicht mehr Energie und Nährstoffe.
Wer die Möglichkeit hat, beide Schnitte zu mischen, hat oft die beste Lösung gefunden.
🌱 Auch bei Kotwasser lohnt sich ein genauer Blick. Manche Pferde kommen mit weniger grober Rohfaser besser zurecht und reagieren auf feinere Strukturen stabiler im
Verdauungstrakt. Natürlich gilt auch hier: Das ist individuell verschieden.
💚 Fazit Heu muss immer zuerst eines sein: von bester Qualität. Danach muss es zum Pferd passen — zu Alter, Stoffwechsel, Arbeit und Bedarf. Die Schnittnummer allein sagt
wenig aus. Deshalb kann man nicht pauschal sagen: Der erste Schnitt ist ein absolutes Muss.
Wie so oft entscheidet am Ende nicht der Mythos — sondern Analyse, Qualität und das einzelne Pferd.
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